Die Bibliothek des Evangelischen Predigerseminars im Augusteum


Das Evangelische Predigerseminar wurde bei seiner Gründung mit dem Kernbestand der ehemaligen Universitätsbibliothek ausgestattet Seit 1598 ist jene im Augusteum untergebracht. Heute ist die Bibliothek des Evangelischen Predigerseminars mit über 100.000 Bänden eine der größten Kirchenbibliotheken Deutschlands. Sie dient vor allem der Ausbildung der Vikare, die hier für ihren Pfarrdienst in den Gemeinden vorbereitet werden. Die Einbeziehung der Sozialwissenschaften und die Pflege des reformatorischen Erbes ließen einen Buchbestand wachsen, den auch eine breitere Öffentlichkeit nutzt. Der organisch gewachsene Altbestand findet das Interesse von Forschern aus aller Welt.

 

Die erste Universitätsbibliothek, die noch auf das Wirken Georg Spalatins zurückgeht, befindet sich seit der Niederlage im Schmalkaldischen Krieg (1546/47) in Jena, nachdem die albertinische Linie der Wettiner in Wittenberg die Herrschaft übernommen hatte. Dieses Ereignis hätte beinahe das Ende der Universität bedeutet und forderte von der Bibliothek einen mühsamen Neubeginn. Dennoch wuchs sie bis zu dem nun endgültigen Aus unter den Preußen auf die stattliche Zahl von ca. 50.000 Bänden an. Von 1823 bis 1850 wurden nach zähem Ringen etwa zwei Drittel des Bestandes nach Halle transportiert. Dies betraf vollständig die Stiftung des Johann August von Ponickau und die Ungarische Bibliothek. Die eigentliche Universitätsbibliothek blieb weitgehend verschont, da nach königlichem Erlaß der theologische und philologische Teil zum Gebrauch des neugegründeten Predigerseminars in Wittenberg verbleiben sollte. Den Verlust schmälern konnte bald schon der Ankauf der Bibliotheken des ehemaligen Predigerseminardirektors Leonhard Heubner, die sich durch enzyklopädische Breite auszeichnet, und die des Lutherforschers Bernhard Augustin. Letztere bildete den Grundstock für die Sammlung der 1883 eröffneten Lutherhalle. Neben der etatmäßigen Erwerbung wuchs die Bibliothek vor allem durch Geschenke teilweise auch rarer Bücher. Zuletzt wurden 1996 bzw. 2000 die Bibliotheken des Göttinger Theologen Wolfgang Trillhaas und des Refomationshistorikers Joachim Rogge übernommen.

Zuzüglich mehrerer Deposita stehen in der Bibliothek jetzt 12 mittelalterliche Handschriften, 500 Inkunabeln, 10.000 Drucke des 16. und 25.000 des 17. Jahrhunderts. Bedeutsam sind die Sonderbestände an 10.000 Wittenberger Dissertationen und 4.000 Leichenpredigten und von besonderem Wert die Einbände Wittenberger Buchbinder, sowie Bücher mit Marginalien von Angehörigen der Leucorea, darunter Martin Luther und Philipp Melanchthon. Daneben verfügt die Bibliothek über eine Kunstsammlung von 70 Gemälden mit

Porträts von Professoren, Kurfürsten und Reformatoren. Die umfangreiche Graphiksammlung beinhaltet hauptsächlich Holzschnitte und Kupferstiche von Persönlichkeiten des 16. bis 18. Jahrhunderts.

Der verbesserten Nutzung des historischen Bestandes widmet sich seit drei Jahren ein vom Arbeitsamt und durch Landesmittel gefördertes Digitalisierungsprojekt. Für die Restaurierung bleibt die Bibliothek auf Spenden angewiesen.

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Öffnungszeiten: Mo, Di, Do, Fr 10-12 und 14-16.30 Uhr sowie nach Vereinbarung

Kontakt: Tel: 03491-505419
email: bibliopsem.wittenberg@t-online.de