Zur Konzeption der Arbeit am Predigerseminar Wittenberg

 

 

Das Predigerseminar Wittenberg versteht sich als eine Arbeits- und Lebensgemeinschaft von Vikarinnen und Vikaren in der zweiten Ausbildungsphase sowie Dozentinnen und Dozenten im Seminar und in den jeweiligen Landeskirchen. Die Kandidatinnen und Kandidaten kommen aus fünf ostdeutschen Landeskirchen. Zusätzlich nehmen Gastvikarinnen und –vikare aus anderen Landeskirchen der EKD an der Ausbildung teil. Daraus ergibt sich eine bunte Vielfalt im Austausch der Theologien, Frömmigkeiten, von Ausbildungsgängen und persönlichen Erfahrungen.

 

Das Ziel der Arbeit im Predigerseminar ist die Ausbildung und Förderung pastoraler Kompetenz in allen zentralen kirchlichen Handlungsfeldern. Dazu werden Haltungen, Methoden und Regeln für hermeneutische, kommunikative und organisatorische Aufgaben in der Gemeinde vermittelt, reflektiert und eingeübt. Im Vollzug der Ausbildung bedingen sich die einzelnen Dimensionen pastoraler Praxis und wirken zusammen.

 

Die Themenbereiche der Kurse im Seminar werden durch die Ausbildungsordnungen der Landeskirchen bestimmt. Ein wesentliches strukturelles Merkmal der Ausbildung ist die Teilnehmerorientierung. Das gemeinsame Lernen und Arbeiten setzt  bei den Erfahrungen der Vikarinnen und Vikare an, um daraus die jeweiligen Lernziele und Arbeitsmethoden zu entwickeln. Bei dem gemeinsamen Arbeiten, Lernen und Leben über einen längeren Zeitraum hinweg kommt es zu einer eigenen sozialen und geistlichen Dynamik in der Entwicklung persönlicher Haltungen und Beziehungen.

 

 

 

Dozentinnen und

Dozenten

 

 

 

Die theologisch-hermeneutische Dimension pastoraler Kompetenz wird besonders durch folgende Elemente der Ausbildung gefördert:

Vorbereitung und Auswertung von Gottesdiensten und Andachten

-          freies Bibelgespräch

-          Plenen und Arbeitsgruppen zu Themen wie Kirche, Gemeindeentwicklung, Pastoraltheologie, Seelsorge, Ökumene, Mission, Kasualien, Homiletik, theologische Sprachfähigkeit sowie Kirche und Medien / Öffentlichkeit / Kultur / Wirtschaft/ Politik

-          Einführung in geistliches Leben und Erfahrung eines geistlichen Lebensrhythmus  

 

Die missionarisch-kommunikative Dimension pastoraler Kompetenz wird besonders durch folgende Elemente der Ausbildung gefördert:

-          regelmäßige Durchführung von Gottesdiensten und Andachten

-          Einführung in liturgisches Singen und kontinuierliches Einüben liturgischer Stücke 

-          Einführung in liturgisches Verhalten

-          rhetorische und homiletische Übungen

-          Einführung in die Gesprächsführung, Umgang mit Mitarbeitern

-          eigenständige pädagogische Gestaltung von Lerneinheiten und Arbeitsgruppen

-          Seelsorgeausbildung und seelsorgerliche Gesprächsführung

-          Sprecherziehung

-          Exkursionen

-          Reflexionen und Übungen zu gemeindepädagogischen Handlungsfeldern

-          pädagogische Arbeit mit Guppen und Erwachsenenbildung

-          Musik, Singen, Chor

-          kreative Gestaltung, Sport, Spiel, gemeinsames Feiern

 

Die kybernetisch-organisatorische Dimension pastoraler Kompetenz wird besonders durch folgende Elemente der Ausbildung gefördert:

-          Übernahme bestimmter organisatorischer Aufgaben und Ämter

-          Selbstorganisation von Arbeitsgruppen und -projekten

-          Organisation von Gottesdiensten und Andachten

-          Gestaltung gemeinsamer Arbeit und gemeinsamen Lebens in der Gruppe und in Kleingruppen

-          Gestaltung individueller Arbeit und individuellen Lebens

-          Einübung in eine Kultur der Verabredungen

-          Erfahrung von Lebens- und Arbeitsrhythmen

-          Feedback, Auswertung, Kritik und Anerkennung, Einsicht in Gruppenprozesse

 

 

 

Die Abfolge der Arbeit im Predigerseminar

 

Die Ausbildung im Predigerseminar besteht aus einem Einführungskurs, acht Dekaden, die jeweils in Blöcken zu zwei Dekaden auf das Gemeindevikariat verteilt sind, und einem Aufbaukurs im ersten Amtsjahr.

 

Im Einführungskurs (eine Woche) werden methodische Hilfestellungen erarbeitet, um die Vikariatszeit in der Gemeinde und im Predigerseminar aktiv zu gestalten. Fragestellungen und Kriterien werden thematisiert, die die Arbeit in der Gemeinde und in den Regionalgruppen sinnvoll mit den Projekten im Predigerseminar verbinden.

 

Zum strukturellen Proprium des Predigerseminars Wittenberg gehört der Dekadenrhythmus. Diese Struktur ergibt sich aus der Gestaltung der Gottesdienstarbeit im Seminar, die sich als sehr fruchtbringend erwiesen hat. Jeder Vikar und jede Vikarin soll die Möglichkeit haben im Kontext der Lerngruppe Gottesdienste vorzubereiten, durchzuführen und auszuwerten.

 

Der erste Aufbaukurs hat den Schwerpunkt, die Erfahrungen im ersten Jahr des Entsendungsdienstes auszutauschen, miteinander zu reflektieren und auszuwerten. Er dient der Begleitung der Berufsanfänger und -anfängerinnen durch das Predigerseminar.

 

 

Die Arbeits- und Lerngemeinschaft des Predigerseminars ist eine umfassende Erfahrung von Kirche und vollzieht sich im wechselseitigen Gespräch und der wechselseitigen Beratung und Tröstung der Brüder und Schwestern, gemäß der Stiftungsformel des Predigerseminars Wittenberg:

 

„per mutuum colloquium et consolationem fratrum et sororum“.